Heinrich von Kleist - Namenspatron der Schule
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Kleist und Eschborn
Heinrich von Kleist (1777–1811) gehört heute zu den bedeutendsten deutschsprachigen Schriftstellern um 1800. Mit Eschborn verbindet ihn jedoch mehr als der Name unserer Schule: Am 25. Februar 1795 verfasste der damals erst 17-jährige Kleist hier einen Brief an seine Schwester Ulrike von Kleist.
Der Eschborner Brief gehört zu den frühen Zeugnissen seiner umfangreichen Korrespondenz. Ausgehend von einer von seiner Schwester gestrickten Weste reflektiert der junge Kleist darin über das Schenken, das Danken und den Wert einer Gabe. Damit besteht eine unmittelbare Verbindung zwischen Kleist und dem Ort, an dem heute unsere Schule seinen Namen trägt.
Selbstinszenierung und der Blick auf die Nachwelt
Kleists Briefe sind nicht lediglich private Zeugnisse seines Lebens. Vielmehr entwirft er darin immer wieder unterschiedliche Bilder seiner eigenen Person: Er erscheint etwa als Bruder, Gelehrter, gesellschaftlicher Außenseiter oder später als verkannter Schriftsteller. Das vermeintlich persönliche und authentische Bild des Autors erweist sich bei genauerem Hinsehen häufig als bewusst gestalteter Selbstentwurf.
Dabei schreibt Kleist nicht nur für den unmittelbaren Adressaten. Briefe wurden um 1800 weitergegeben, vorgelesen und teilweise veröffentlicht. Seine Korrespondenz lässt sich daher auch als Teil eines Autorschaftskonzepts für die Nachwelt verstehen: Kleist gestaltet mit seinen Briefen das Bild mit, das andere von ihm erhalten und das über seinen Tod hinaus bestehen kann.
Damit verbindet sich sein ausgeprägter Wunsch nach Anerkennung und Nachruhm. Zu Lebzeiten blieb Kleist die erhoffte literarische Anerkennung weitgehend versagt. Besonders in seinen späten Briefen wird deutlich, dass er sich selbst als Autor wahrnimmt, seine mangelnde Anerkennung beklagt und letzte Botschaften für die Nachwelt formuliert. Seine Briefe werden damit auch zu einem Medium der Selbstinszenierung und Ruhmbildung.
Gleichzeitig liegt darin ein für Kleist charakteristisches Paradoxon: Er zweifelt immer wieder daran, ob Sprache Gedanken und Gefühle überhaupt angemessen vermitteln kann, und nutzt gerade diese Sprache äußerst bewusst, um sich als Autor zu entwerfen und für die Nachwelt zu inszenieren.
Leben und Werk
Kleist wurde am 18. Oktober 1777 in Frankfurt an der Oder geboren und trat zunächst entsprechend der Familientradition in das preußische Militär ein. 1799 verließ er den Militärdienst und begann ein Studium. Sein weiterer Lebensweg war von Reisen, wechselnden Plänen und dem Spannungsverhältnis zwischen gesellschaftlichen Erwartungen und dem Wunsch nach Selbstbestimmung geprägt.
Zu seinen bekanntesten Werken gehören „Der zerbrochne Krug“, „Penthesilea“, „Das Käthchen von Heilbronn“, „Michael Kohlhaas“, „Die Marquise von O....“ und „Das Erdbeben in Chili“. Immer wieder beschäftigen ihn Fragen nach Wahrheit und Wahrnehmung, Sprache und Missverständnissen sowie dem Verhältnis zwischen Individuum und Gesellschaft.
Zu Lebzeiten blieb der große literarische Erfolg aus. Heute zählt Kleist zu den bedeutendsten Autoren der deutschsprachigen Literatur.

Warum Heinrich von Kleist?
Der Name Heinrich-von-Kleist-Schule erinnert nicht nur an einen bedeutenden Schriftsteller. Durch den 1795 in Eschborn entstandenen Brief besteht eine konkrete Verbindung zwischen Kleist und dem Standort unserer Schule.
Sowohl in seinen Briefen als auch in seinen literarischen Werken setzt sich Kleist mit Fragen auseinander, die bis heute aktuell sind: Wie verlässlich sind unsere Wahrnehmung und unsere Sprache? Wie entstehen Missverständnisse? Wie sicher können wir uns unserer eigenen Urteile sein? Und wie behauptet sich der Einzelne gegenüber gesellschaftlichen Erwartungen?
Damit steht Kleist für einen kritischen Umgang mit Sprache und vermeintlichen Gewissheiten und für die Bereitschaft, die eigene Wahrnehmung und das eigene Urteil immer wieder zu hinterfragen.
Der junge Heinrich von Kleist schrieb vor mehr als 230 Jahren aus Eschborn an seine Schwester. Heute trägt eine Schule an diesem Ort seinen Namen.
zusammengestellt von Alina Kirst
[ausführlichere Biografie als Download ... hier]

